Yet Again – watch?v=AuG9i5cwGW0

Das vierte Album „Shields“ ist bislang das flüssigstes Werk von Grizzly Bear und es folgt keineswegs dieser Logik, sondern widersetzt sich ganz dreist diesem Trend. Gewiss: Die Band aus New York – also Chris Bear, Ed Droste, Daniel Rossen und Chris Taylor – war noch nie dafür bekannt, die Dinge zu überstürzen, Schlag auf Schlag neue Alben zu veröffentlichen. Drei Jahre haben sie nach Horn of Plenty gebraucht, um bei Yellow House zu landen; drei weitere waren es zwischen Yellow House und Veckatimest. Und natürlich gab es zwischen diesen Alben nicht nur lange Tourneen, sondern auch diverse Single- und Split-Veröffentlichungen, EPs und Remix-Scheiben. Doch nach ausgedehnten Konzertreisen zu Veckatimest wurde es schließlich ruhiger um Grizzly Bear, und die vier Mitglieder gingen schließlich sogar eigener Wege – man konzentrierte sich zur Abwechslung mal auf das eigene Leben außerhalb des Bandgefüges. Lang gehegte Reisepläne wollten realisiert werden, und es gab alte Freundschaften, die aufzufrischen waren; Familien galt es zu besuchen und Soloprojekte unter Dach und Fach zu bringen. Die in Tourbussen, Studios und auf Bühnen in aller Welt gesammelten Eindrücke und angestauten Träume von mehreren gemeinsam verbrachten Jahren konnten sie nun jeder für sich verarbeiten und ausleben; eine Chance also zum Durchatmen, sich zu erholen und nach einem Jahr mit neuer Energie zu Grizzly Bear zurückzukehren.Das erste Treffen nach der Auszeit fand im vergangenen Sommer in Marfa im US-Staat Texas statt: Ihr lose gefasster Plan lautete, einfach ein wenig zu proben, Demos von neuen Ideen aufzunehmen und dabei auszuloten, wie es um potenzielle Kandidaten für ein neues Album stand. So gut wie nichts davon war wirklich überzeugend, aber das tat auch gar nichts zur Sache: Der Texas-Aufenthalt war wichtig für sie als Band, um sich als alte Freunde wieder einander anzunähern, als Musiker wieder auf eine Wellenlänge zu kommen – denn wenn dem erst mal wieder so war, würden auch die Songideen nicht lange auf sich warten lassen. Entgegen dem Rhythmus der digitalen Welt, ließen sie sich einfach noch ein wenig mehr Zeit.

„Wir alle hatten unterschiedliche Sachen erlebt und standen danach an vollkommen verschiedenen Punkten, das auf jeden Fall“, berichtet Rossen, „und so haben wir einen Großteil unserer Zeit in Marfa dafür genutzt, um uns auszutauschen, Sachen auszuprobieren und zu sehen, was bei den anderen so geht. Wir alle mussten einander wieder neu begegnen.“

Als dann im Januar ihr nächstes Treffen anstand, nunmehr wieder im guten alten Yellow House in Cape Cod, gab es keinen Zweifel mehr: Sie wollten zurück in den Grizzly-Bear-Kosmos, und zwar sofort. Shields ist daher ein Album, das nur deshalb so eindringlich klingt, so viel Nachdruck hat, weil sich alle vier Bandmitglieder ganz bewusst wieder für die gemeinsame Sache entschieden haben.

Zum ersten Mal komponierten sie mehr Songs als nötig waren für ein Album, um diese Ideen dann rigoros und doch penibel zu überarbeiten. Zum ersten Mal schrieben Rossen und Droste gemeinsam neue Songs; der eine nahm die Ideen des anderen, erweiterte sie, setzte sie um und vergrößerte somit das so schon massive Klangspektrum der Band. Und zum ersten Mal entschlossen sie sich dafür, nur diejenigen Ideen weiterzuverfolgen, die sich auch wirklich für eine Kollaboration aller vier Bandmitglieder eigneten. Fragt man sie, welche Melodie, welche Idee auf Shields denn nun von wem stammt, winken sie alle ab und erklären, dass es sich bei diesen Songs erstmals um Tracks handelt, die sie geschlossen als Band komponiert haben. Ihr Ansatz war also ein anderer, und auch das Ergebnis klingt anders: So hat man Grizzly Bear noch nie zuvor gehört.

Grizzly Bear „Shields“    VÖ: 17.09.12     Label: Warp Records