Auf „I Walk“, dem neuen Album, singt Grönemeyer englisch – nicht zum ersten Mal, aber so wie nie zuvor. Anders als bei seinen bislang drei fremdsprachigen Platten (der Zusammenstellung „What’s All This“ sowie den komplett übertragenen Alben „Luxus“ und „Chaos“) sind unter den zwölf neuen Stücken – plus Bonustrack – auch drei Songs, die keine deutschsprachigen Pendants haben. Zudem sind Gäste dabei, die zeigen, was man auch so schon längst hätte merken können: Es gibt Wechselwirkungen zwischen dem Grönemeyer-Universum und dem internationalen Popbetrieb, sogar ziemlich heftige, elektrische.
Ein Highlight von „I Walk“ hat man bereits auf der Compilation „Was muss, muss“ von 2008 gehört: „Will I Ever Learn“, das Duett mit Antony Hegarty, bekannt vom Projekt Antony & The Johnsons. Zwei Stimmen, die zuerst wie Gegensätze wirken und sich in der Musik dann einfach gegenseitig beantworten, aufs Schönste. James Dean Bradfield von der bahnbrechenden Glam-Punkband Manic Street Preachers ist auf „To The Sea“ („Zum Meer“ vom „Mensch“-Album) als Gast an der Gitarre dabei. Der Bonustrack erinnert dann noch einmal an das legendäre „Deine Stimme gegen Armut“-Konzert vom G-8-Gipfel in Heiligendamm 2007: Damals kam überraschend U2-Sänger und Weltstar Bono auf die Bühne, um mit Grönemeyer im Duett zu singen. Auf Deutsch, das Bono phonetisch vom Autocue sang. Für „I Walk“ haben die zwei ihr Gipfeltreffen nun noch einmal im Studio nachgespielt, dieses Mal auf Englisch. „Mensch“ heißt der Song trotzdem weiterhin. Er erzählt jetzt noch mehr.
„I Walk“ wird von Grönland Records ausser in Deutschland in Großbritannien und den Beneluxstaaten veröffentlicht, Anfang 2013 auch in den USA. Beim Auftritt im Londoner Roundhouse am 28.10.12 wird Herbert Grönemeyer sicher auch einige der Stücke singen. Weitere Auslandsauftritte sind in Planung, fest steht aber noch nichts.
Und wo liegen ansonsten die englischen Seiten im Charakter des Künstlers? „Hoffentlich in meinem Humor“, antwortet er. „Und in meiner privaten Chaostheorie.“ Vom Chaos ist auf „I Walk“ nicht viel zu hören. Dem angloamerikanischen Teil der Welt könnte dieser Grönemeyer trotzdem gefallen. Extrem gut sogar.

 

Album “ I Walk“, Label: Grönland Records, VÖ:19.10.12