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DAGOBERT

Dagobert meldet sich mit neuem Album zurück. Die erste Kostprobe daraus ist der Titelsong, welcher von seiner Familie handelt, nach der er benannt wurde: Jäger
Cover und Musikvideo zeigen aber auch noch einen anderen Jäger. Nämlich den, der im Wald jagen geht und sinnbildlich für Dagoberts unbedingten Willen steht, ständig neues Liedgut gleichsam zu erjagen - die Aufgabe, der er sein Leben widmet.
In einem düsteren und ungewohnt beatlastigen Soundgewand trifft Existentialismus auf schwarze Romantik und es wird ein Dagobert angekündigt, der die Grenzen seines ureigenen Musikkosmos in alle Richtungen dehnt. Musikalisch und inhaltlich.



Das vierte Album „Jäger“ präsentiert Dagoberts Musik in ihrer ganzen Diversität. Sehnsüchtige Liebeshymnen treffen auf außerweltliche, okkulte Liedperlen, schwarze Romantik auf Existentialismus. Und das ganze kollidiert mit dem eigentümlichen Dagobert-Humor.

Hatte er diesen Humor auf seinem letzten Album „Welt Ohne Zeit“ noch elegant umschifft, bedarf dieser nun einer Erklärung. Witzig ist Dagobert immer dann, wenn die Absurdität seiner ehrlichen Gefühlsbekundungen unbeabsichtigt zum Vorschein kommt - wie oft auf seinem legendären Debut-Album von 2013. Das zeigt sich auch hier wieder in Stücken wie „Nie Wieder Arbeiten“ oder dem Live-Klassiker „Wunderwerk Der Natur“, der endlich auf Tonträger verewigt wird.
Im Gegensatz zu den eher schwermütigen Balladen des Vorgänger-Albums, herrscht nun meist eine beschwingtere und positive Grundstimmung vor. War Dagobert inhaltlich bisher eher auf monothematische Liebesabhandlungen abonniert, riskiert er auf „Jäger“ einen großen Spagat zwischen morbiden Zukunftsvisionen „2070", extremstmöglichem Fernweh „Aldebaran" und kybernetischen Liebesfantasien „Ich will nie wieder arbeiten".  Jedoch sollte man sich von den eingängigen, oftmals mitreißenden Melodien nicht täuschen lassen. Es lohnt sich, genauer hinein zu hören in die präzise gesetzten Texte, die an manchen Stellen philosophische Tiefe entwickeln. Das Herzstück des Albums heißt „Ich Will Noch Mal“ und ist der erschütterndste und tiefsinnigste Dagobert-Song, den es je zu hören gab. Er ist quasi eine Vertonung von Nietzsches Lehre der ewigen Wiederkunft und eine Ode ans Leben.

„Jäger" - der Titel des Albums ist dreifach deutbar: Erstens handelt es sich um Dagoberts Klarnamen. Tatsächlich singt er im Titelsong sehr persönlich über seine Familie und widmet sich selbst auch gleich noch ein Lied, in welchem er die Musik zu seiner großen Liebe erkürt. Zweitens erklärt „Jäger“ Dagoberts unbedingten Willen, ständig neues Liedgut zu erjagen, so wie sein Namensgeber Dagobert Duck auf ewiger Jagd nach Gold ist. Und drittens verweist der Titel auf die Schweizer Bergen mit ihren Wäldern, wo das Album entstanden ist.

Weitere Gemeinsamkeit mit Dagoberts Debut-Album: Aus den Bergen kam er einst nach Berlin, um den Menschen seine Musik zu bringen. In die Berge kehrte er nun wieder zurück, um sich inspirieren zu lassen von der Natur und der Distanz zu allem Weltlichen und Menschlichen. Seiner Einladung in die Bergwelt gefolgt ist sein engster musikalischer Vertrauter Konrad Betcher, der bereits  „Welt Ohne Zeit“ produziert hatte. Soundtechnisch knüpft „Jäger“ also direkt an den Vorgänger an. Die Songs aber sind kürzer und knackiger geworden, das Tempo wurde erhöht, der Spaß ist zurück. Durch die Produktion von Betcher wird „Jäger“ zu einem großen Werk zeitloser Popmusik. Dieses veröffentlicht Dagobert konsequenterweise im Eigenvertrieb, da seine Musik schlicht zu keinem Label und keinem Genre passt. So erschafft er seinen eigenen Kosmos und kann noch kompromissloser agieren.

Man hört Dagoberts exzessive Stanislaw Lem-Lektüre heraus, staunt über ungewohnte RnB-Einflüsse und realisiert, dass es weder vergleichbare Musik noch einen vergleichbaren Künstler gibt. Dagobert ist seine eigene Liga. Ein Heilsbringer, der jedem, der sich darauf einlässt, eine Horizonterweiterung und Glücksgefühle beschert - zumindest für einen Augenblick. Die Bandbreite an Eindrücken, die beim Hören des Albums auf einen niederprasseln, geht mit grosser Leichtigkeit einher. Den Künstler hinter der Musik zu fassen, ist eine Freude.

Wer „Jäger“ hört, hört den Hohepriester der gesungen Liebe, den Grenzgänger zwischen schwarzer Romantik und harter Realität. Und plötzlich macht alles Sinn.
 




 

 

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